Ao Nang

Wir werden vom Regen geweckt. Nicht von einem Wecker, nicht von Vögeln, nicht von der inneren Uhr. Nein, vom Regen, der offenbar beschlossen hat, direkt auf unsere Seelen zu tropfen.

Wir gehen im Regen zum Frühstück, frühstücken im Regen, checken im Regen aus – kurz: Wir leben Regen. Wenn es ein Regentaufe-Zertifikat gäbe, hätten wir längst Goldstatus.

Dann geht’s mit dem kleinen Boot zurück nach Phuket. Ich gebe mir Mühe, die allerletzte beim Einsteigen zu sein – und dann direkt die allererste, die wieder runterhopst. Sicher ist sicher, ich möchte mein Frühstück schließlich nicht der See spenden. Hat sie nicht verdient. Ist viel zu wellig.

Auf dem Festland versuchen wir ein Grab zu grapschen (Wortspiel intended), um nach Ao Nang zu fahren. Wir wollen nämlich endlich mal den berühmten Railay Beach sehen. Da waren wir noch nie!

Tja. Spoiler: Wir werden da auch weiterhin nie gewesen sein.

Denn – Trommelwirbel – es regnet. Und regnet. Und regnet. Zwei Tage lang Ao Nang, zwei Tage lang Wasser von oben. Irgendwann sagen wir: „Weißt du was? Lassen wir’s.“ Und starten Richtung Khao Lak. Aber vorher noch ein kleines Highlight aus dem Leben als Hotelsurvivor.

Episode 3675: "Steckdose der Verdammnis"

In unserem Zimmer funktioniert eine Steckdose am Bett nicht. Ich gehe also zur Rezeption und frage höflich, ob man das reparieren könne. Schließlich möchten wir unsere Geräte nicht durch positives Denken aufladen.

Ein Elektriker kommt mit und schraubt die Steckdose ab. Sein Gesicht sagt alles: „Oh.“

Sein Mund sagt: „Beide Phasen haben Strom.“

Ich sage: „Aha?“

Innen drin denke ich: „Ich will nicht sterben.“

Offenbar ist das selbst in Thailand eher suboptimal.

Ein zweiter Elektriker wird herbeigezaubert. Sie suchen gemeinsam nach dem Fehler, finden ihn aber offenbar nur interessant. Wir gehen erstmal Abendbrot essen – vielleicht existiert die Steckdose ja nach dem Essen nicht mehr und löst somit das Problem auf metaphysische Weise.

Am Abend verkündet die Rezeption: „Ist repariert!“

Ich: „Wirklich?“

Sie: „Ja! Die USB-Steckdose funktioniert jetzt.“

Der Rest natürlich nicht, aber das mache man morgen.

Ich erkläre freundlich, aber deutlich, dass wir dann nicht in diesem Zimmer schlafen werden, weil ich gerne mit allen Lebenspunkten weiterspielen möchte.

Man bietet uns ein Ersatz-Zimmer an – nämlich das, aus dem bei unserer Anreise das Wasser fröhlich über die Türschwelle auf den Flur lief. Eine Art Zimmer-Wasserfall-Feature. Sehr spa-tauglich, aber weniger schlaftauglich.

Nach längerer Diskussion bekommen wir ein Zimmer in der vierten Etage. Größer, aber ansonsten ohne Vorteile. Dafür dürfen wir am nächsten Tag nochmal umziehen. Sportprogramm inklusive.

Beim Checkout meint die Rezeptionistin dann plötzlich: „Der Check-in für Ihr neues Zimmer ist aber erst um 14 Uhr.“

Ich: „Wir… wollten eigentlich gar nicht auschecken?“

Sie: „Oh.“

Und plötzlich – Überraschung! – geht’s viel früher.

Ob jetzt alle Steckdosen repariert waren? Keine Ahnung. Aber: Wir haben überlebt.

Am letzten Abend gehen wir über den großen Nachtmarkt von Ao Nang und futtern uns durch: knuspriger Schweinebauch, Samosas, Corndogs, Mochis – basically alles, was man später bereut, aber nie bereuen würde.

Und jetzt: Drückt uns die Daumen, dass uns der Regen nicht die ganze Reise lang verfolgt. Vielleicht können wir ihn ja abhängen. Oder bestechen. Ich wäre bereit.

Samosas
Samosas
Nomnomnom
Nomnomnom
Nachtmarkt
Nachtmarkt